Steuerfreie Dividenden – kurz erklärt
Steuerfreie Dividenden gibt es eigentlich nicht. Vielmehr nutzen einige Gesellschaften die vom Gesetzgeber geschaffenen Möglichkeiten aus, die Dividenden als Rückzahlungen aus dem steuerlichen Einlagenkonto zu bezeichnen. Eine solche Rückzahlung ist kein “besteuerbarer” Vorgang und löst somit weder die Abgeltungssteuer aus, noch müssen diese Zahlungen in der persönlichen Steuererklärung angegeben werden. Die Depotbanken weisen diese Zahlungen allerdings in Ihren Steuerbescheinigungen an den Kunden aus. Dieser muss diese Bescheinigung seinem Finanzamt einreichen, aber die Zahlungen nicht als Erträge aus Kapitalanlagen angeben.
Das steuerliche Einlagenkonto weist Sach- und Bareinlagen und andere Zahlungen aus, die nicht zum Nennkapital der Gesellschaft gehören. Unter anderem kann sich darunter das Agio (das nicht verbrauchte Aufgeld) befinden, das beim Börsengang erhoben aber nicht restlos verbraucht wurde. Auszahlungen aus diesem Konto sind keine Gewinne, sondern Rückzahlungen von Kapital. Rückzahlungen von Kapital sind niemals steuerliche Einnahmen. Über diesen Weg ist es möglich eine steuerfreie Dividende zu bezahlen.
In den Genuss dieser steuerfreien Dividenden kann allerdings nur derjenige kommen, der die Aktie bereits vor der Hauptversammlung besessen hat. Interessant ist diese Möglichkeit insbesondere für Sparer, die ihre Freibeträge bereits ausgeschöpft haben und mit den weiteren Dividenden der Abgeltungssteuer unterliegen würden. Verkauft man die Aktien mindert die steuerfreie Dividende den Kaufpreis der Aktie und führt so zu einem höheren Gewinn durch den Verkauf der Aktie, womit sich unter Umständen der Vorteil durch die steuerfreie Dividende wieder aufzehren kann.
Man könnte aber aus dieser Möglichkeit ein wenn auch etwas spekulativeres Konzept schneidern. Dies würde dann im Ergebnis wie folgt funktionieren. Kurz vor der Hauptversammlung erwirbt man die Aktien des betreffenden Unternehmens und kassiert die steuerfreie Dividende. Der Aktienkurs mindert sich ab dem Tag der Ausschüttung um die Höhe der Ausschüttung. Verkauft man nun an diesem Tag die Aktien wieder wird man eher einen Verlust als einen Gewinn erzielen. Wenn überhaupt ein Gewinn aus dem Verkauf entstehen sollte, ist dieser in den meisten Fällen recht gering, so das ggf. anfallende Steuern nicht ins Gewicht fallen. Hintergrund dieser Möglichkeit ist auch, dass die Gesellschaften aufgrund steuerlicher Vorschriften und ggf. auch tatsächliche Verluste in der Bilanz ausweisen und es somit keine steuerpflichtigen Gewinne auf der Seite der Gesellschaft gibt.
Was genau sind eigentlich Derivate?
Derivate sind Anlageformen bzw. Finanzprodukte, welche abhängig sind von der Wertänderung anderer Finanzprodukte oder Güter (z. B. festverzinsliche Wertpapiere, aber auch landwirtschaftl. Produkte oder Rohstoffe) und in der eigenen Wertentwicklung durch Wertschwankungen auf jegliche Änderungen der entsprechenden Marktbedingungen reagieren.
Der Inhaber/Käufer eines Derivates erwirbt das Recht, nicht aber zwingend die Verpflichtung ein anderes Anlageprodukt oder Gut in einem frei zu definierendem zukünftigem Zeitraum oder zu einem frei zu definierendem zukünftigem Zeitpunkt zu einem bereits heute festgelegten Preis (und eventuellen weiteren detailiert festgelegten Bedingungen) zu erwerben, zu verkaufen oder zu tauschen.
Genutzt werden Derivate zur Spekulation auf Kursgewinne, als Risiko-Ausgleich zur Absicherung des Basiswertes sowohl im Verkauf, als auch im Einkauf von Gütern oder bei Finanzanlagen. Des Weiteren kann ein Derivat genutzt werden, um Gewinne durch Ausnutzung von Preisunterschieden gleicher Ware an unterschiedlichen Märkten zu erzielen.
Der Gewinn oder Verlust errechnet sich jeweils anhand der Differenz zwischen dem zum ausgehandelten Zeitpunkt aktuellem Marktwert (lt. Börsenkurs) des Basiswertes und dem vereinbartem Preis. Bei nicht Vorhandensein eines direkten Marktwertes werden Werte lt. Börsenkurs von Vergleichsobjekten herangezogen. Anders als bei den üblichen Anlagegeschäften, kann man mit Derivaten auch an fallenden Märkten Gewinne erzielen.
Entgegen anderer Anlageformen ist für diese Anlage keine, ggf. eine sehr geringe Anfangsinvestion erforderlich. Hier sind also für einen kleinen Aufwand große Gewinnmöglichkeiten gegeben. Allerdings können auch große Verluste bis hin zum Total-Verlust entstehen, denn da ein Derivat stets abhängig von anderen Anlagegeschäften ist, existieren auch hier die selben hohen Risiken. Hinzu kommt, dass die Wertbildung von Derivaten für den Durchschnittsbürger oft etwas undurchsichtiger ist, als bei den üblichen Anlagegeschäften, da weit mehr Faktoren den Basiswert beeinflussen.
Derivate Finanzprodukte werden teils an Terminbörsen gehandelt, aber auch außerhalb (z. B. von Banken) des Börsengeschehens. Die bekanntesten heißen Futures, Optionen und Swaps.